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Infrastruktur  ·  Oktober 8, 2026

Telekom kauft Glasfasernetze in Essen, die Bundesnetzagentur diskutiert Open-Access-Preise: Warum beides zusammenhängt

Was in Essen passiert ist

Die Deutsche Telekom hat am 2. Oktober den Kauf der Glasfasernetze von ruhrfibre Essen und Metrofibre vereinbart, im Rahmen eines Asset Deals. Die Netze erreichen rund 87.000 Haushalte, teils sind sie fertig gebaut, teils noch im Ausbau. Kurz zuvor mussten Vodafone-Kunden, die dort über Glasfaser angeschlossen waren, binnen weniger Tage zurück auf DSL wechseln.

Die Telekom will die Netze auf ihre eigene Netzarchitektur umstellen und den restlichen Ausbau selbst übernehmen. Danach steht das Netz den eigenen Kunden ebenso offen wie den Wholesale-Partnern. Schon Ende 2025 hatte die Telekom das Essener Glasfasernetz von DOKOM21 übernommen. Nach eigenen Angaben prüft sie gezielt, ob sich bestehende Glasfaserinfrastruktur zu attraktiven Konditionen kaufen lässt, sofern sie strategisch und technisch zum eigenen Netz passt.

Was die Bundesnetzagentur vorschlägt

Etwa zeitgleich hat die Bundesnetzagentur ihre Orientierungspunkte zu Entgeltprinzipien für Open-Access-Vorleistungsangebote veröffentlicht und eine Konsultation gestartet. Sie will einen bundesweit funktionierenden Markt für freiwillig verhandelten Zugang zu Glasfasernetzen schaffen. Aus ihrer Sicht ist das eine Voraussetzung für den Wechsel von Kupfer auf Glas.

Ausgangspunkt ist der im Markt bekannte FRAND-Maßstab (fair, angemessen, nicht-diskriminierend). Konkret wird er über die Nachbildbarkeit: Zwischen dem Endkundenpreis eines Netzbetreibers und dem Vorleistungspreis muss eine Marge bleiben, die ausreicht, damit ein Zugangsnachfrager ein gleichwertiges Endkundenprodukt kostendeckend anbieten kann. Dafür hat die Behörde aktuelle Endkundenpreise und vereinbarte Vorleistungsentgelte ausgewertet und daraus prozentuale Margen abgeleitet.

Das Papier ist nicht verbindlich und greift der Entscheidungspraxis der Beschlusskammern nicht vor. Es soll eine Diskussion anstoßen und schließt eine Lücke: Das Gigabitforum hatte sich vor allem mit technischen und prozessualen Fragen befasst, die kommerzielle Seite des Netzzugangs blieb außen vor. Stellungnahmen sind bis zum 16. November 2026 möglich.

Warum beides zusammengehört

Deutschland hat ungewöhnlich viele, meist regional tätige Netzbetreiber. Für Diensteanbieter ist es kaum machbar, mit jedem einzelnen zu verhandeln. Und für die Betreiber ist es, gerade im kleinen Maßstab, eine echte Herausforderung, Open Access glaubwürdig und standardisiert anzubieten.

Ich erwarte deshalb drei Wege: Manche Betreiber machen eigenständig weiter, manche suchen sich Partner, und manche landen bei einem größeren Eigentümer, so wie in Essen.

Klarere Preisprinzipien könnten diese Entwicklung beschleunigen. Wenn sich Vorleistungserlöse an einer Marge messen lassen, müssen sich Businesspläne mit optimistischen Annahmen zu den Vorleistungspreisen auf kritischere Fragen von Investoren, Kreditgebern und Käufern einstellen. Das ist meine Einschätzung, im Papier steht das so nicht. Vieles hängt davon ab, wo der Maßstab am Ende liegt: Ist er zu streng, kann das Investitionen bremsen, ist er zu locker, leidet der Wettbewerb.

Was jetzt zu beachten ist

Die Konsultation läuft bis zum 16. November. Parallel berät der Bundestag ab dem 9. Oktober über den Gesetzentwurf zur Änderung des Telekommunikationsgesetzes, das sogenannte Gigabit-Grundbuch. Beides ist noch nicht abgeschlossen, dürfte aber beeinflussen, wie regionale Netzbetreiber ihre Optionen bewerten.

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